Montag, 3. April 2017

storms.

Familie. Für die meisten Menschen ist Familie sehr sehr wichtig, ich kann das auch gut verstehen, nur nicht nachvollziehen. Es ist chaotisch, lieblos, klagend, vorwurfsvoll - was anderes kommt am Esstisch nicht zur Sprache. Blabla, wir sind missratene Kinder. Ich mache schon Scherze in der Gegenwart meiner Eltern darüber. Ich war nicht gewollt, blabla.
Wie kann man sich nach der Jahre zurückliegenden Trennung, noch so hassen? Und wenn man als Kind irgendwann ein gewisses Alter erreicht, nervt es nurnoch.
Während die Mutter immer wieder dasselbe Leid und ihre unrealistischen Träume klagt, komplett vorbei an den Wünschen meines kleinen Bruders, mich dann anfährt weil ich die einzige bin die an ihn denkt, schaue ich sie an, bleibe ganz ruhig, doch mein Blick bohrt sich durch sie durch: wir haben das schon ausdiskutiert Mama, es reicht."
Ich war immer die Stille der Familie, auch wenn ihr euch das jetzt vielleicht nicht so vorstellen könnt.
Ich habe zwei ältere Brüder, die sich bei allem immer lautstarkt durchgesetzt haben. Oder Ärger gemacht haben, oder an erster Stelle standen.. dann kam der jüngste der Welt und ratet was dann passiert ist? Ich war das Sandwich Kind. Und ich erst recht, weil ich so still war. In dem Lärm hat es oft keinen Sinn gemacht, etwas zu sagen.
Lange waren wir Geschwister uns bei einer Sache einig: unsere Eltern sind einfach unfähig, wir haben nur uns.
Jetzt muss ich einsehen, dass das nicht mehr gilt. Weil wir zwei Homos sind, der älteste ein intoleranter Macho, obwohl .. ach wisst ihr? Keiner versteht das.
Und der Kleine ist soviel jünger als wir drei älteren. Zwei Tage hintereinander musste ich ansehen, wie inkomplett das alles ist. Keine Familie ist perfekt, aber wir sind überhaupt keine. Wir schienen mal wie eine, aber so war es nie. Nach aussen hin perfekt, innerlich fürn Arsch.

"In our family portrait, we look pretty.
Let's play pretend, let's act like it comes naturally."

- P!nk

Ob mich das traurig macht? Naja, um ehrlich zu sein stumpft man irgendwann ab. Es nervt einfach nur, es ist im gesamten traurig, aber mich trifft es nicht mehr so. Ich meine man sagt immer Blut ist dicker als Wasser, nur kann ich das gerade nicht so gut beurteilen, denn 'wahre Freunde' ist auch ein schwieriges Thema. Und natürlich, im Notfall wären wir alle da, wir sind präsent wenn es darauf ankommt - irgendwie scheint es zumindest so, als würden wir miteinander auskommen.
Ganz ehrlich, wir haben noch den Jüngsten, der uns irgendwie an beide Elternteile bindet, er ist noch sehr jung - zu jung. Abgesehen davon sind wir uns alle bewusst, dass es ausreichend Gründe gibt, keinen Kontakt zu unseren Eltern zu haben.

Nun ... dann war ich wieder zu Hause, nach den beiden Tagen und ja, ich war irgendwie emotional geschwächt. Einfach weil die Scheisse so anstrengend ist. Auch woanders, wen man sieht wie charackterlos und dumm die Menschheit sein kann, ist man gereizt.
Aber ich will mit keinem reden, meine Freunde würden das um ehrlich zu sein nicht verstehen und selbst wenn - so tief wollte ich nicht in die Materie gehen. Ich setze mich also auf den Balkon und rauche eine Kippe, noch eine, schaue Schminkvideos an .. höre ganz laut Musik. Ich führe mein richtigtes Leben weiter, ich lege es ab. Ich bin zu alt geworden, um deshalb noch zu weinen. Ich bin zu weise, um wieder so hart getroffen zu werden. Ich bin zu gut, um auf diese Menschen sauer zu sein. Also nehme ich ein Bad, kümmere mich um mich, lese ein Buch, schaue weitere Videos. Ich esse etwas, schaue eine Sendung die ich mag zu Ende - und wisst ihr was ich dann dachte?
Ich hab das alles alleine geschafft, hab alles alleine gemacht, hab etwas aus meinem Leben gemacht und ich bin stolz darauf. Selbst als ich die normalsten Dinge an einem Sonntagabend mache, geht es mir wieder gut. Wieder auf der wahren Seite meines Doppellebens zu sein.
Denn in Wahrheit bin ich eine richtig zufriedene Frau geworden.
Mir geht es gut, Mama und Papa.
Auch wenn ihr nicht fragt, ich kann das alleine.
Ich bin meine Familie.
Und ich bin eine zufriedene junge Frau, der es wirklich gut geht.

Guten Start in die Woche,
ich muss langsam echt ins Bett.
Gute Nacht ihr Lieben,
eure Selina.

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Feminismus.

Feminismus.
Wer sich mit der Materie nicht auskennt, sollte nichts dazu sagen. Feminismus betrifft weder ausschliesslich Frauen, noch heisst es, dass man Männer hasst.