Samstag, 4. März 2017

heart attack.

Es ist glaube ich ziemlich offensichtlich dass Zeit in meinem Leben aktuell sehr kleingeschrieben ist, über eine Woche ist der letzte Post her. Hab ich jemals so lange gebraucht?

Auf der anderen Seite ist natürlich die Frage da, was ich euch erzählen soll.
Heute gibt wieder ein wenig aus dem Leben einer (fast) Krankenschwester und ich hoffe, ich kann euch etwas damit berühren.
Virtuell, ist klar. Körpernähe ist selten meins.

Ich übernehme meine Patienten vom Frühdienst, also geht der Frühdienst mit dem Spätdienst gemeinsam durch die einzelnen Zimmer, das nennt sich übrigens Pflegevisite. Die Schwester vom Frühdienst ist etwas adipös, wird immer rot wenn sie aufgeregt ist und das ist garnicht das Problem. Das Problem ist, dass sie immer überfordert ist, ein sehr unglückliches Leben führt und das ständig raushängen lässt. Aber um die Kollegin geht es eigentlich nicht.
Immer wenn ich Spätdienst habe, gehe ich nach der Übergabe am Patientenbett nochmal alleine durch die Zimmer um mich mit meinen Patienten zu unterhalten. So plane ich, was heute alles gemacht werden muss und was wichtig ist. Wenn man sich mit den Menschen unterhält, haben diese die Chance Bedürfnisse zu äussern. Dann wollte ich mich eigentliche um den Blasenkatheter meines einen Patienten kümmern, da der Urin nicht abfliessen wollte, als der Nebenpatient plötzlich über starke Schmerzen in der Schulter klagt. Ich bleibe in meiner Position, noch immer den Katheter in der Hand und analysiere die Situation. 10 Sekunden. Jedes Mal, du hast nur diese 10 Sekunden.
Ich gehe zum Patienten um herauszufinden welche Schulter es ist. Links. Verdammt.
Streicht der Schmerz in den Arm aus? JA. Atemnot? Zunächst nicht.
Ich messe die Vitalzeichen und benötige ein weiteres Gerät, sodass ich das Zimmer verlassen muss. Gott sei dank ist es ein 3 Bett Zimmer, sodass der Patient nicht alleine ist.
Im Gang bitte ich bereits eine andere Kollegin in das Zimmer zu gehen, sagte das wohl vieeel zu gelassen, weil sie irgendwas brabbelt und weitergeht. Im Stützpunkt angelangt sage ich zu meiner anderen Kollegin: Kannst du bitte in Zimmer YX, Patient B, austreichende Schmerzen im Arm.
Sie: welcher Arm?
Ich: DER LINKE.
Dann rennen wir los.

Es ist unfassbar, wie du einfach ein Menschenleben in der Hand hältst. Es ist nicht in Worte zu fassen, wieviel Verantwortung du hast, wenn du als erster die Situation erfassen musst.
Und Leute, wirklich. Wenn ihr so etwas auf der Strasse erlebt, reagiert. Du sagst an, wenn du als erster da bist. Und die meisten Menschen haben zu grossen Schiss um etwas zu tun, nur um nicht involviert zu sein. Zeit ist Geld, Krisensituationen sind mit Risiken verbunden und die Menschheit ist es einfach gewohnt wegzuschauen. Scheissegal, wie alt der Mensch ist. Nur weil man über 70 ist, kann man sein Gewissen nicht erleichtern indem man denkt, dieser Mensch hätte sein Leben gelebt.
TU ETWAS.
Und apropos, an all die Idioten, die meinen Job allein mit "hintern abwischen" assoziieren oder meinen ich würde einen niederen Job machen, sei so arm dran wegen meinen Dienstzeiten oder so: fickt euch. Ich rette Leben und ihr regt euch wegen der Politik auf.
Eigentlich ist es mir egal was ihr macht, hauptsache ihr ignoriert solche Dinge nicht.
Vor allem als Autofahrer und Passant nicht.
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Ich möchte einen offenen Brief schreiben. Das ist nämlich auf Youtube gerade IN, deshalb möchte ich einen offenen Brief an Sara schreiben.
Hab auch ne Überschrift und die nennt sich borderline.

Hey, hab aufm Dienstplan gesehen dass ich dich nichtmehr sehe bevor mein Einsatz zu Ende geht. Ich wollte dir noch etwas sagen, denn es hat mich rasend gemacht, was du anfang dieser Woche zu mir gesagt hast. Borderline-Tussi? Zunächst einmal, ich muss mich vor dir nicht rechtfertigen. Zum anderen, ist das sehr abwertend und beleidigend, wie du es gesagt hast. In dem Moment wurde mir klar, dass du das die ganze Zeit von mir dachtest. Entschuldigung? Haben wir uns falsch verstanden? Liebe Sara, ich finde du bist zu weit gegangen. Auch, als du mich wegen meiner Familie ausgefragt hast, mich gefragt hast ob ich eine Persönlichkeitsstörung habe usw. Du hast schon oft deine Grenzen überschritten, und ich sagte nichts. Ich dachte nur, eh da rein und da raus. Sara? Wir kennen uns seit ein paar Wochen und ich bin Auszubildende auf der Station, wo du seit Jahren arbeitest. Du kennst mich nicht. Es ist mir egal, ob du über 30 bist. Es ist mir egal, ob du in der Transgender-Ambulanz gearbeitet hast (gibts das denn wirklich, frage ich mich?). Es ist mir egal, ob du in der Psychiatrie gearbeitet hast. Denn augenscheinlich hast du keine Ahnung von Borderline. Und es geht dich nichts an, Liebste. Gar nichts. Du kannst meine Herkunft hassen, oder naja, "einen auf Nazi machen weils Lustig ist". Schätzchen, es ist nicht lustig. Nur weil unsere FSJ-lerin ein Kopftuch trägt, hast du KEIN RECHT so mit ihr zu reden. Und mit mir sprichst du nicht so, ist ja klar. Weil ich ja kein türkisch mag und ach, weil ich lesbisch bin. Stimmt, mich bewunderst du dafür, dass ich mich bei dem Backround - den du dir teils teils auch noch zusammenreimst - noch nicht umgebracht habe. Krass, ne Südländern und lesbisch? Auch noch im Nacken damit tättowiert? WAS?
Ich nenne das sensationsgeil und du? Du kannst dich wohl zu gut mit mir identifizieren. Das du sagst, du bist wie ich, weil du eigentlich richtig tough bist, aber dennoch verletzlich, ist ok. Das stimmt auch. Aber Sara? Fick dich, die 1 hätte und habe ich sowasvon verdient. Und dafür muss ich nichtmal besser sein als du.
Ich wollte nur, dass du das mal gehört hast.
Falls du dich jemals für dein eingeschränktes Denken und unnachvollziehbare Meinung, sowie deine grobe Art und Beleidigung entschuldigen möchtest,
du weisst wo ich sein werde.
Und da ich dich abgesehen von diesen scheiss Aktionen sogar mag, bekommst du sogar ne Kippe dafür.
Also machs gut,

Selina.

Ich sollte mich von dir nicht ärgern lassen.
Das ist unnötiger, als sein Handy bei 100% weiter zu laden.


*Für alle, die das komplette Gespräch nicht mitbekommen haben, sparts euch. Natürlich hab ich kein Borderline. Ich könnte euch jetzt erzählen, wo man enden könnte, wenn man das hat und sich nicht therapieren lässt - aber ich lass es, verursacht nur Ausraster und ich habe keinen Bock. Ausserdem - eigentlich lieben Sara und ich uns, ich hasse nur ihre Moral, die sie auch noch für komplett richtig hält. Was ein Schwachsinn. Auch über 30 müssen wir noch manches lernen. That's life.
Bussi und tschüss. ;)

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Feminismus.

Feminismus.
Wer sich mit der Materie nicht auskennt, sollte nichts dazu sagen. Feminismus betrifft weder ausschliesslich Frauen, noch heisst es, dass man Männer hasst.