Montag, 13. Februar 2017

positive.

Der Druck ist zu hoch, ich renne hin und her und komme nicht hinterher, obwohl ich eigentlich gut in der Zeit bin. Ich will nichtmehr hier sein. Ich mache meine Arbeit gut, aber der Druck steigt, ich kann nicht atmen. Immer wieder kommen die Tränen hoch, ich kann nicht mehr.
Das ist die beste und schlimmste Zeit meines Lebens, Erfolg muss verdient sein. Irgendwie ist es auch nicht mein Tag, aber ich ziehs durch. Ich meine Krankheit hört mit meinem Wohlbefinden nicht auf, ausserdem mögen mich die Menschen sehr.
"Können nicht Sie die Drainage ziehen? Ich will nicht dass das jemand anderes macht, Ihnen vertraue ich." Ein grösseres Kompliment gibt es nicht und wenn man erstmal gelernt hat es anzunehmen, dann ist es der schönste Job der Welt. Ich mache meine Übergabe, frage ob ich gehen kann und verlasse die Station. Ich will einfach nur nach Hause, ich bin so müde.

"So, Schwester Selina macht jetzt Übergabe." Ich weiss einfach nicht, ob diese Kollegin mich mag oder nicht, aber sie lächelt als sie das sagt. "Fast Schwester.", sage ich und schlage meine erste Kurve auf. "Ahja, biste doch so gut wie. Fräulein Selina bist du ja nicht." Ja, ich dich auch - denke ich mir und wir lachen alle. Hätte nie geglaubt dass ich es so weit schaffen würde und vor allem so gut. Matchball.



Auf dem Heimweg beschliesse ich noch kurz einkaufen zu gehen, irgendwas zu Essen worauf ich Lust habe. Ich bin nichtmal verwundert darüber, so normal mit Essen umzugehen. Im Hangbus gebe ich einem adipösen Herrn meinen Platz, der Bus ist so klein und ich, ach keine Ahnung weshalb ich aufgestanden bin. Nur die selbstverständliche Art wie er ja gesagt hat, als ich ihn fragte ob er sich hinsetzen will hat mich wütend gemacht, zumal die Dame hintendran einfach nicht eins aufrutschen wollte und die beiden vorher sichtlich diskutiert hatten. Nicht. Mein. Tag.
Reg dich nicht auf, ermahne ich mich selbst. Ich kaufe mir meine Lieblingscornflakes, n Rotwein, endlich diesen beschissenen Rhabarber den ich sonst nirgends gefunden habe und noch ein paar Dinge. Vollbepackt und immer zu faul einen Einkaufswagen zu nehmen stelle ich mich an die kürzeste Schlange. Ich will nach Hause, verdammt. Sonst haben die meisten Leute eh nicht so früh Feierabend, was soll die Aufregung?
Als ich innerlich vor mich hinschimpfe tritt aus dem Nichts jemand hinter mich und sagt mega freundlich hallo zu mir.
Neeeeeeeein, ich will mit keinem reden jetzt, echt nicht. Ich bin so müde.
Als ich sehe wer es ist, geht eine Positivität durch mich und ich muss grinsen. "Hiiii", sage ich und die Konversation beginnt. Ich mag sie sehr gern, auch wenn ich ihr gegenüber Hassphasen hatte, zu mir war sie nie wirklich scheisse.
"Ich rufe euch an, spätestens [...], entweder schreiend oder heulend. Ohne euch hätte ich das nie geschafft." Und das meine ich ernst. Vor fast viereinhalb Jahren bin ich da eingezogen, am 28.09.2012 um genau zu sein, denn es war ein Freitag. Über zweieinhalb Jahre lang war das mein Zuhause und ich hätte allein diesen beschissenen Bewerbungskram nie alleine hinbekommen, geschweige denn heute so gesund sein können, wäre ich da nicht eingezogen. 'Eingezogen' hahaha. Naja. Als sie mich fragt wie es mir geht, sage ich gut. Und ich meine es.
Denn ich habe bis genau zu diesem Zeitpunkt alles errreicht, was ich erreichen wollte.
Das ist das grösste Geschenk an dich selbt, stolz auf dich zu sein.
Oder zu sehen, dass du eine echt gute Arbeit gemacht hast. Dass es Früchte trägt, sozusagen.
Deshalb sind soziale Berufe so wundervoll, ganz einfach.

Ruhige Woche an alle,
Selina.

PS: es hat so gut getan dich zu sehen, ich weiss jedesmal umso mehr, dass ich den richtigen Weg gewählt habe. Danke. ♥

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Feminismus.

Feminismus.
Wer sich mit der Materie nicht auskennt, sollte nichts dazu sagen. Feminismus betrifft weder ausschliesslich Frauen, noch heisst es, dass man Männer hasst.