Samstag, 24. Dezember 2016

that pussy shit.

"Wie rechnest du das?"
Ich weiss es nicht.
"Wie kommst du von 50μg/10ml auf 0,5?"
Ich. Weiss. Es. Nicht.
"Du musst das verdünnen, wie kommst du dahin? Wieviele Ampullen brauchen wir in 200 ml?"
Zuviele Fragen, ich hab noch soviel zutun.. ich.. ich.. ah, nein. Hör auf. Hör bitte auf damit.
"Du kannst einen Menschen mit diesem Medikament umbringen, für dein Examen musst du wissen wie du das ausrechnest, wie es wirkt, und was passieren kann."

Ich versuche meine Panik zu unterdrücken. Seine Stimme wird bei jedem Satz lauter. Männlich, laute Stimme - ganz schlechte Kombi. Ich verstehe nicht was er von mir möchte, ich weiss nicht was ich wie rechnen soll, ich kapiers nicht. Alles was ich sehe sind die grün-gelb leuchtenden Augen. Augen die mich unter Druck setzten.

"Wir stehen hier, bis du ausgrechnet hast wie du da hin kommst. Dreisatz. Es ist kompliziert, aber eine einfache Rechnung. Ich hab Zeit, bis die Schicht zuende ist oder bis der Patient klingelt weil er Schmerzen hat."
Ich verstehe nicht was du willst, ich kapiers nicht. Erklär es mir doch.
"Nein. Du musst das lernen. Du machst dein Examen hier. Wieviel brauchst du? Los, rechne."

Er hat mich irritiert das Arschloch. Er sagte es hätte nichts mit den 200ml zutun, das hat es aber. Wenn ich schweige, fordert er mich auf etwas zu sagen. Wenn ich mit ihm diskutiere und ihm auch noch sage dass ich es nicht weiss und nicht verstehe was er hören will, wird er immer lauter. Egal was ich sage, es scheint nicht richtig zu sein. Er drängt mich verbal in eine Ecke, ich bekomme keine Luft.
Jetzt schnürrts mir meine Kehle zu, ich kollabiere innerlich. Wenn ich jetzt heule wird er mir sagen, dass ich so in diesem Job nicht weiterkomme. Dass ich unzurechnungsfähig bin.
Mein Kopf ist leer, ICH WEISS WIRKLICH NICHT WIE ES GEHT. Ich komm nicht drauf, ich komm nicht drauf, ich komm nicht drauf.
Ich ergebe mich erneut und sage es ihm, er wird nur lauter. Still und auf das weisse Papier vor mich starrend versuche ich mich aus der Panikattacke zu befreien. Wehe du heulst jetzt. WEHE.

Irgendwann hab ich ihm irgendwas gesagt, also auf gut Glück so getan als würde ich das sinnvoll rechnen, obwohl es einfach nur Zufall war. 
50:10 = 5 ; 50:100 = 0,5 -  eine Ampulle enthält 50μg in 10ml, also brauchst du 2 Ampullen die du in 200ml verdünnst. 
Bei den 50:100 hab ich geraten. Es war zufällig richtig. 
Wer rechnet sowas im Kopf wenn es um ein Opiod geht? 
Und was zur Hölle ist ein Dreisatz? Erst jetzt verstehe ich es einigermassen. Nachdem ich den ganzen verfickten Tag diese Rechnung durchgegangen bin. Die ich in meinem Leben nie vergessen werde.
Ich verstehe es einfach nicht. Ich verstehe nicht weshalb Menschen so grausam sein können.
Ich würde jetzt so gerne eine rauchen, aber er lässt mich nicht wenn ich meine Arbeit nicht fertig habe. 

...

"Eh Selina, das ist doch keine Schikane!" und legt mir die Hand auf die Schulter. Und er lacht. Obwohl er gesehen hat wie verzweifelt ich war.
Wo ist die Ernsthaftigkeit von vorhin, Arschloch?
Ich bin am Ende. Es ist der 24.12. und ich blinzel ununterbrochen die Tränen weg. Das ist nicht fair. 
Ich halte durch bis Schichtende. Meine letzte Kraft nehm ich zusammen um nicht mitten auf Station zusammenzubrechen. Ich nehme meine Tasche und mein Handy aus meinem Schliessfach. Ich halte die Luft an während ich die Station verlasse, betrete den Aufzug. Ich atme einfach nicht, gehe in die Umkleide, schliesse die Tür und sinke. Ich kann das nicht mehr.

Vielleicht ist das wirklich nicht der Job den ich machen sollte.
Vielleicht ist es nicht dieses Leben, dass ich leben sollte.

Gott, ich fleh dich an. Was hab ich dir getan?


___________________________________________


~Ich bin ja kein Unmensch. Nen Post zu Weihnachten schreib ich vielleicht in den nächsten beiden Tagen noch. Aber heute war definitiv KEIN Weihnachten für mich, dementsprechend ist es ganz gut dass der Post so spät Abends kommt, so versau ich euch die Stimmung nicht. Ich hoffe einfach ihr hattet nen schönen Heiligabend.♥~




Sonntag, 18. Dezember 2016

something.

"Irgendwas das bleibt, irgendwas das reicht, irgendwas das zeigt - das wir richtig sind."

Keine Ahnung, warum ausgerechnet Yvonne Catterfeld das Eis ein wenig zum Schmelzen bringt, aber ich mag das Lied irgendwie. Jeder erwartet jetzt, dass ich meinen Senf zum 4. Advent gebe, aber das werde ich nicht. Es ist ein stinknormaler Tag, genau wie das nächste Wochenende ein stinknormales Wochenende sein wird. Weihnachten fällt dieses Jahr aus, was auch nicht wichtig ist.
Ich kenne meine Dienste auswendig, das reicht. Ich hab was Kleines für meine beste Freundin und was Witziges für meinen kleinen Bruder, das muss reichen. Und meine Mutter hat nunmal nen Tag vor Heiligabend Geburtstag, da sollte ich auch endlich mal was besorgen.
Es gibt Kandidaten, die das hier lesen und mein Leben als unglaublich traurig empfinden. Mich nervt das so ungemein, denn meinen Blog zu lesen ist jedem seine freie Entscheidung. Ich erwarte nicht dass irgendjemand darauf reagiert oder für mich da sein will, oder das was hier steht kompensieren will. Lasst den Scheiss, braucht kein Mensch.
Dass manch einer den Link noch hat, ist reiner Luxus, all das hier nicht für seine Augen bestimmt.
Aber ist nunmal ne öffentliche Seite.
Stillschweigend lesen geht auch ohne sich bemerkbar zu machen, vielen Dank. Unnötig einfach.

Sorry, wollte keine schlechte Laune verbreiten. Habs vorhin mit den Vitaminen versucht, soviel schläft doch kein Mensch. Ich schlafe sonst kaum, jetzt nurnoch. In jeder freien Minute.
Ja, geht auch ohne Kippen, Alkohol oder Gras.
Idioten.
Lieb ich das. Wenn Menschen mein Suchtverhalten analysieren wollen.
Es ist einfach schwer das einzuschätzen, wenn es einem keiner sagt. Dass Menschen ihre Grenzen nicht kennen. Erst als Bea mich fragt, ob das nicht eine Grenzüberschreitung gewesen sei, fange ich an darüber nachzudenken. Meine Arbeitskollegin ist einfach gestört und hat mich mit ihren beschissenen Fragen in ne Ecke gedrängt und auf etwas das in ihrem Kopf vorhanden ist reduziert.
Sie ist die gestörte Bitch. Kein Scheiss, ich weiss wovon ich rede. Lügen ist nicht meins, wisst ihr.
Wenn man die Situation betrachtet, ist mein Verhalten einwandfrei. Ich bin vollkommen gefasst, souverän und nicht aggressiv.
Die Uhr tickt tickt tickt.
Aber ich will garnichts tun, nein. Ich schweige, atme, lebe. Jeder bekommt seine Rechnung, eines Tages hat alles seine Gerechtigkeit.
Ob ich das so lange durchhalte, ne andere Frage.

Fragen, über Fragen.

Guten Start in die Woche.
Selina, xo.

Dienstag, 13. Dezember 2016

zombie.

Remember once the things you told me
and how the tears ran from my eyes.
They didn't fall because it hurt me,
I just hate to see you cry.

Sometimes I wish we could be strangers,
so I didn't have to know your pain.
But if I kept myself from danger,
this emptiness would be the same.

I ain't no angel,
I never was.
But I never hurt you,
it's not my fault.
You see thos egg shells, they're broken up.
A million pieces, strung out across the ground.

Did you ever really love her?
Or was it that you feared letting go?

You should have known that you can trust her,
but you pretend like I don't know.

I want to tell you that I'm sorry,
but that's not for me to say.
You can have my heart, my soul, my body..
..if you can promise not to go away.

I ain't no angel,
I never was.
[Birdy - No Angel]

Dieses Lied hat eine ungemeine Bedeutung für mich. Es hat einzig allein etwas mit mir zutun, es erzählt in diesen wenigen Worten eine unendliche Geschichte. Meine, mich selbst.
Wenn du stirbst, wirst du ein Engel und kommst in den Himmel. 
Ich bin kein Engel und wenn ich irgendwohin komme, dann in die Hölle.
Ich möchte dass dieses Lied bei meiner Beerdigung gespielt wird.
Es bedeutet soviel. Und ich kann, obwohl ich tot bin, eine Message an die Anwesenden vermitteln. Typisch Selina. Ich war nie ein Engel. Und das ist ein ernst gemeinter, expliziter Wunsch.



..

Meine Mutter hat mir letztens by the way erzählt, dass mein Vater heiraten möchte. Ich bin aus allen Wolken gefallen, weil ich weiss dass mein Vater meine Mutter nie vergessen wird, und weil ich nichts davon weiss. Weil er mir nichts gesagt hat. Und weil es wieder eine deutsche Frau ist. Ich bin total empört, meine Mutter schaut mich vollkommen unbeeindruckt an und sagt: er braucht das, er kann nicht alleine sein. Ich weiss dass er sie nicht liebt, undzwar ganz genau, aber er kann einfach nicht alleine sein."
Ich habe viele Eigenschaften von meinem Vater. Ich kann mich stundenlang über etwas oder jemanden aufregen, wenn nicht sogar Ewigkeiten, obwohl es völlig sinnfrei ist. Harte Schale, weicher Kern. Unglaublich emotional, will es aber nie zugeben. Will immer hören, dass es gut ist, was ich gemacht habe. Und so weiter.
Als meine Mutter das erzählt zucke ich zusammen. Habe ich diese Eigenschaft auch noch geerbt?
Ursprünglich schon. Vor allem als ich in diese Wohnung gezogen bin und dann getrennt war und dann so richtig alleine gewohnt habe. Die Umgewöhnung ist schwer. Ich hatte immer das Bedürfnis jemanden hier haben zu wollen. Irgendeine Gesellschaft. Ein lebendes Wesen. Alleine sein hat mich nicht gestört, im Gegenteil, ich habe es sofort genossen. Ich tue es immernoch. Alleine schlafen, alleine das Bad nutzen, alleine Dreck machen. Meins. Das schwierige war einfach, von ner grossen WG in ne eigene Wohnung, dann wars nur noch eine Person und dann keine. Ja, ist seltsam. Du MUSST dich nämlich urplötzlich mit dir selbst auseinander setzen. Du denkst viel mehr über dich nach, das ist kein Scherz. In meinem Fall, lernst du schlichtweg hin dich selbst zu ertragen. Mit dir selbst klarzukommen. Vor etwas längerer Zeit wollte ich gefühlt ständig Besuch haben, wollte sogar dass die Leute hier übernachten. Weil ich angst vor mir hatte. Vor meinen Gefühlen, meinen Gedanken. Niemand dem du es erzählen kannst..
..genau. Du lernst Dinge mit dir selbst auszumachen.
Mittlerweile bin ich froh, wenn mir mal niemand schreibt, keiner Anruft oder klingelt. Ich mach mein Ding und bin zufrieden. Und mal ganz ehrlich, ich hätte und habe so oft die Chance, dass es anders sein könnte. Ich wills nicht anders.
Vielleicht ist das von dem Menschen abhängig, vom Gefühl. Möglicherweise gibt es diesen einen Menschen, der alles verändert. Aber auch daran glaub ich nicht.
Seltsam, nichts zu fühlen.
Das widerum fühlt sich nach Freiheit an.
Und die könnt ihr mir nicht nehmen.






Sonntag, 11. Dezember 2016

get up & try.

~Entgültige Zusage~

Fuck. Fuck. Fuck. Jeder andere würde sich freuen und ich? Der Druck schubst mich fies lachend wieder zu Boden.
Jetzt war ich die ganze Zeit damit beschäftigt mein Leben auf die Reihe zu bekommen, sodass ich selbst untergegangen bin. Oder was ist zur Hölle los? Warum will ich das hier und jetzt nicht mehr? Ich bin wieder ganz unten angelangt.
Gerade ist es besser, weil mir Anonym ganz lieb zugesprochen hat. Du hast ja recht..
Ich meine, wo waren meine Ziele und Träume als ich noch etwas jünger und motiviert war? Das Leben sieht ganz anders aus wenn man voll berufstätig ist. Deine Sicht verschiebt sich. Und das ist geil, weil es dein eigenes vedientes Geld ist. Luxus, kauf dir davon was du willst. Versauf es, auch noch in deiner eigenen Wohnung. Triumph. Dann kommt das Aber. Weshalb hab ich mein Abi nicht gemacht habe? Weshalb studiere ich doch kein Medizin oder tanze nicht am Theater? Ist halt blöd gelaufen. Und an verdammt nochmal alle, die jetzt meinen dass man doch alles schaffen kann wenn man es nur will hin und her: ICH persönlich, ich rede von mir, wollte so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen und mein eigenes Geld verdienen um auf einer aufrichten Art und Weise unabhängig von egal wem sein zu können. Ich war im Heim, in ner ner betreuten Wohngruppe - ganz ehrlich? Für mich gab es keine Option. Abgesehen davon haben sich durch meine emotionale Verfassung in den letzten Jahren leider ab und wann eine Konzentrationsstörung eingeschlichen. Ich trau es mir nicht zu.
Vielleicht traue ich mir kurz vor Ende diesen Beruf nicht zu, vielleicht macht er mich nicht glücklich, vielleicht zweifel ich, vielleicht ist mein Kopf einfach leer, vielleicht denke ich wieder an meine Träume und vielleicht hab ich keine Kraft dafür. Es reicht.
Falscher Zeitpunkt um zu kippen, falscher Zeitpunkt. Fuck. Fuck. Fuck.

Wisst ihr was das ultra ärgerlichste am Bloggen ist?
Dieses Deutsch von mir. Dass ich Charackter, statt Charakter schreibe. Anscheinend, hatte keine Lust meine Texte nach diesem Wort abzusuchen, könnt ihr ja machen und euch amüsieren, dass Miss Perfect Buchstaben nach Gefühl abtippt.
Mein linker Ringfinger zuckt einfach unwillkürlich auf den Buchstaben c hahaha.
Nein, Spass. Ich schreibe auch kein ß, sondern immer ss, also. Ist auch nicht richtig, das ist eben so.
Richtig ärgerlich ist es, wenn du explizit weisst, wer deinen Blog liest. Uah, no. No. NO.
Warum das so schlimm ist? Weil das dein Schreiben beeinflusst.
Wenn du Pech hast, ist es so, als würdest du mit dieser Person direkt reden. Ihr einen Text schreiben oder zumindest in dem Wissen, dass sie deine Worte liest. Wenn du Glück hast, hast du genau diesen Personen nicht mehr sonderlich viel zu sagen. Ich meine, mit diesem Risiko musst du eben auch rechnen, wenn du deine Community in deinem Bekanntenkreis angefangen hast aufzubauen. Dachte zwar immer durch mein ständiges aufhören zu bloggen würden die Menschen die ich kenne hier nicht mehr mitlesen.. ach scheiss drauf. Hab erst vor kurzem noch zu Jemandem gesagt, dass der Blog hier ja gewählt schwammig geschrieben wird. So muss ich mich nicht komplett offenbaren und ihr könnt interpretieren was ihr wollt. Hier wird nicht gelogen, nur gekürzt. Ich könnte euch nämlich ein ganzes Buch oder mehr schreiben, ihr wüsstet nicht wer ich bin. Niemand weiss das wirklich. Alle denken und dachten es, keiner hat ne Ahnung. *
.. das hätte ich nie vergessen dürfen.

Naives stück Scheisse, was zur Hölle? Verdammt. Ich hätte auf Waldemar hören sollen. Dass er recht hat weiss ich. Ich darf das nicht ausblenden.
Denn unsere Erwartungen verletzen uns am meisten. Unsere Bedürfnisse erschüttern uns. Unsere Wünsche lähmen uns. Die Realität öffnet uns die Augen und der Schnitt sitzt tief.

"Wenn du glaubst, das du für irgendjemanden alles sein kannst, liegst du falsch. Du solltest in erster Linie für dich die Welt sein, bevor das ein anderer sein kann. Nur weil die Wunde gerade so stark blutet, heisst es nicht, dass das den Menschen sofort auffällt. Aber wenn du blutgetränkt vor ihnen stehst und sie an dir vorbeischauen, kannst tatsächlich nur noch du dir helfen. Entweder du hilfst dir selbst, oder du stirbst." - die weise Stimmt in meinem Kopf, die zunehmend leiser wird.

Deswegen sagen Menschen wie ich nicht sofort was los ist. Die Leute nehmen dich nicht ernst. Ah, die schafft das schon. Die ist schon stark genug, das passt. Ich reagier einfach nicht, nicht so wichtig. Deswegen sagen Menschen wie ich irgendwann garnichts mehr. *hiemit zusammenhängend: ein Mensch der mich kennen würde, würde mir nicht abkaufen, nachdem ich einen Tag vorher zerstört as fuck war, am nächsten Tag lachend durch die Strassen laufe.
PS: ein Mensch dem ich etwas bedeute würde ein 'schon ok, mir gehts gut :)' nicht hinnehmen.
PPS: wir kommen zurück zu den Erwartungen.. und die Wunde reisst weiter auf.
PPPS: oft nicht mal Personenabhängig, ganz ruhig.




Nur du kannst dir helfen, sonst niemand. Blablabla.
Halt die Fresse verdammt. Ich habe keine verfickte Geduld mehr, hörst du?




Mittwoch, 7. Dezember 2016

nobody wins.

Wir werden schnell wütend manchmal. Ich besonders. Wir sind verärgert wenn man uns unterbricht beim Reden, wenn man das was wir mögen schlecht macht, wenn wir verurteilt werden ohne die Chance es zu beweisen, wenn wir nicht akzeptiert werden, wenn nicht das geschieht was wir schon immer wollten.. es gibt tausend Gründe wütend zu sein. Verletzt.
Es gibt immer Menschen, die einen nicht mögen und nicht dieselbe Meinung teilen. Aber wenn die Person die einen nicht akzeptiert und nicht ernst nimmt, so nah ist, wohin willst du gehen? Wie kannst du so jemanden aus deinem Leben streichen?
Ich habe mir (so entnehme ich es dem Bild auf meinem Handy) ca ende August letztes Jahr mir mein Tattoo im Nacken stechen lassen. Total vergessen, dass ich das schon so lange habe. In Bezug auf diesen Menschen ist mir dieses Tattoo zum Verhängnis geworden. Ich habe ihm ein Bild geschickt, weil ich so glücklich und so stolz war. Er rief mich an und hat mir das Leben zur Hölle gemacht.
"Warum machst du sowas? Warum musst du das den Leuten so unter die Nase reiben? Was wenn Mama das sieht? Das ist echt so dumm. Ich war unter Freunden, die eine hat das Bild auch gesehen und wusste sofort was das bedeutet. Du kannst ja sein wie du willst, aber du kannst nicht einfach machen was du willst. Was soll das? ..."
Und das ist beim Lesen wohl noch ziemlich geschwächt, aber den Tonfall muss ich wohl kaum erwähnen. Das war mein Bruder. Zur selben Zeit waren meine beste Freundin und noch Jemand aus der Vergangenheit da und schauten mich, während ich wie versteinert das Telefonat nicht beenden konnte, total entgeistert an. Ja, richtig. Und zurecht. Dasselbe ist gestern auf Whatsapp erneut passiert, weil er erfahren hat dass ich jetzt kurze Haare habe.
Ich kann das nicht mehr.

Ich lege mein Handy weg. Die Waschmaschine läuft, weshalb auch immer setze ich mich davor und versuche mich auf den Waschvorgang zu konzentrieren. Die Wut tick durch meine Adern und ich habe das Gefühl jeden Moment die Kontrolle zu verlieren. Tränen laufen über mein Gesicht, ich bin total verkrampft, halte die Luft an. Ich will schreien, aber es fühlt sich an als würde meine Lunge kollabieren. Ich atme aus, atme ein, versuche das Zittern in den Griff zu bekommen. Unterdrückt, beherrscht, klein gemacht. Das Gefühl lähmt mich, mal wieder. Ich bleibe da sitzen und starre auf die Zahl an der Waschmaschine. 31 Minuten. Die reichen nie. Die Wut von 19 Jahren schiesst durch meine Venen, ich verblute psychisch. Der Hunger klopft an. Und nach all der guten Zeit bin ich glücklich dass dieser schmerzende Hunger mich in die Realität holt. Ich stehe auf und reisse den Kühlschrank auf. Wegen euch sterbe ich nicht. 

...

Kopf hoch, du liegst nie falsch.
Irgendwo hast du recht.
Du würdest lieber kämpfen, als zu gehen.
The Veronicas. Mehr muss ich nicht sagen.
Was eine einsame Art und Weise die Luft einzuatmen.
Nun sind wir zu weit gegangen, um es für mich zu retten.
Ich hätte nie gedacht das wir hier landen würden.
Vielleicht ist da die Schönheit im Abschied nehmen.
Es gibt einfach keinen Grund es weiter zu versuchen.
Du stösst mich weg, ein weiterer dunkler Tag.
Also leben wir unsere unterschiedlichen Leben.
Es ist schwer, es gibt kein du & ich mehr.
Ich vermisse dich.
Aber wir sind Welten voneinander entfernt.
Gute arbeit geleistet, standing ovation.
Ja, du hast was du wolltest.
Ich glaube du hast gewonnen.
Und ich will es nicht hören, sie kennen dich nicht so wie ich.
Selbst wenn ich es dir sagen könnte,
wir sind fertig miteinander.



Das ist ein Match aus drei Liedern, denn es gibt irgendwie in jedem Lied einen Part der nicht passt.
Ich vermisse dich. Es ist komisch, weil es anders ist als früher. Ich bin so weit darüber hinweg, dass ich einfach dankbar für alles bin was du getan hast. So Menschen gibt es selten, ich hab mich sehr verändert dadurch. Nun ist das diese Mauer, gegen die ich nichts unternehmen will, auch weil ich zu stolz bin und es mir ansonsten diesen "Opfer" Touch geben würde. Das macht es viel viel schwerer, weil ich dir das so gönne und mich raushalte. Aber es Momente gibt in denen ich so gern mit dir reden würde. Nur gibt es geheime Regeln im Leben und die beachtet man, wenn es einem wichtig ist. Egal wir dumm und bescheuert man auseinander geht, Selina sieht am Ende wieder und wieder das Gute. Selbst wenn man wohl etwas gemein zu ihr wahr, haha.
Seltsam, wenn man einen komplett anderen Blick auf das Ganze wirft. Aber ich bleibe bei mir. Ich bin nunmal so. Abgesehen von meinem Verhalten bleibe ich meinem Empfinden treu.
Und da ist es mir egal, was ich für die Leute bin und was nicht.
Ich halte meine Versprechen. Von welchem ich rede, werdet ihr nicht erfahren. :)

Wut und Melancholie, typisch ich wieder.
Ich wünsche euch ne gute Restwoche, passt auf euch auf.
Selina.


Sonntag, 4. Dezember 2016

it's fine.

Wisst ihr was viel schmerzhafter ist als Trauer und Wut oder so ähnlich?
Gleichgültigkeit.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich zu meiner besten Freundin den wohlbekannten Satz sage: du verstehst das nicht.
Ich glaube auch nicht dass es irgendwie darum geht, dass das deine Freunde verstehen. Wohlmöglich ist dadraussen irgendein Mensch, der das vielleicht verstehen könnte - aber träumen kann man bekanntlich viel.
Klar, ist es frustrierend, am liebsten willst du irgendwas hören, dass dir den Weg zeigt. Wo ist es richtig? Wo muss ich hin? Was macht mich glücklich?
Glücklich, hahaha.
Ich bin nicht der Typ dafür, ich kenns nicht, und geniessen durfte ich dieses Gefühl wohl auch in kleinsten Massen.
Ich habe einmal in meinem Leben einen Menschen kennengelernt, der mir etwas wie Hoffnung gab.
Und das endete im Desaster.
Nicht jeder der kaputt ist hat von Anfang an diese supergeilen Kompetenzen, die hatte nichtmal ich, nicht so dass sie dafür gereicht hätten.

Damit komme ich zu etwas, was mich mein Leben lang nicht loslassen wird. Während mein Tättowierer die ersten eineinhalb Stunden kaum mit mir spricht, sagt er in der zweiten Hälfte der Zeit Dinge, die ich nicht hören wollte.
Ich meine, wenn du deine Narben übertättowieren lässt und einen Menschen da neben dir hast, der nur ein bisschen Verstand und Charackter hat, ist es eigentlich klar dass du am Ende ne Message auf den Weg mitbekommst. "Die Menschen die vergessen dich, niemand wird sich an dich erinnern. Warum solltest du nicht dass tun, was du tun willst? Keiner erinnert sich, am Ende bekommst du nicht mal einen feuchten Händedruck." Er schmunzelt als er das sagt und ich muss an einen bestimmten Menschen denken. Young, Wild & Free. Ich mach was ich will, was mich glücklich macht, auch wenn ich nicht weiss was es ist. Ja, klar. Er hat auch recht, ich meine will ich 20 Jahre in der Pflege arbeiten, mit 40 bereuen dies oder jenes nicht getan zu haben? Was er sagt ist wunderschön, aber ich bin im Krieg mit meinen Ängsten, immer hab ich eine Ausrede weshalb ich dies oder jenes nicht tun kann. Ich sage ihm, dass man eben Kompromisse eingehen muss, mit seinen Freunden und der Familie, um sich loszureissen und das zu machen was man selbst möchte. Er setzt die Nadel kurz ab, schaut mich an und sagt nein. Wenn du Kompromisse eingehst, machst du wieder nicht zu 100% das was du willst. Manchmal muss man die Menschen zurücklassen, wenn es nur um dich geht.
Das klingt ziemlich hart und egoistisch was er da sagt, aber ich weiss worauf er hinaus möchte.
Man kann das auch einfach mit dem bekannten Sprichwort ausdrücken: Wer sich selbst nicht liebt, kann nicht geliebt werden.
Wann hab ich mal das gemacht was ICH wollte? Ich habe zwei Jahre gebraucht um mir die scheiss Haare abschneiden, naja abrasieren zu lassen. Und jetzt ruf ich meine Mutter nichtmal an, weil sie mich töten wird deswegen. Bea sagt, ich soll mir eine Selbstverständlichkeit aneignen, sodass mir keiner was sagen kann. Achja, klar. Einfach so.
Aber ich weiss nicht was ich unbedingt machen will. Entweder ich habe zu grosse Angst, bin zu faul oder ich bins mir nicht wert.
Es ist schwer, Selbstverständlichkeit nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln. Ich meine, auch wenn es total banal ist, ich finde es schade wenn Menschen sich so abwerten. Ich hab einmal diesen Menschen gebraucht und wurde am nächsten Tag als eine der vielen Exfreundinnen abgestempelt. Wo war die Menschlichkeit? Nur weil es manchen schneller glückt eine Lücke zu füllen und sich neu und besser zu verlieben, muss man in Bezug auf einen Menschen nicht nur die gescheiterte Beziehung sehen. So scheisse bin ich auch nicht. Ich bin mehr als eine der Exfreundinnen, aber das wissen eigentlich alle. Aber whatever, mit Selina kann man das ja machen.
Dieses: aaach, sooo toll warst du auch nicht. Es gibt was besseres als dich. Blablablabla.
Ich weiss nicht ob ich das glauben oder ignorieren soll, ich freue mich mit ganzem Herzen, jedem soll sein Glück gegönnt sein, keine Frage.
Nur muss man mich immer so schlecht machen?
Waldemar hat recht, die Menschen vergessen dich. Du bist deines eigenen Glückes Schmied.
Es geht um dich dich dich.
Aber ich kann das einfach nicht. Alle denken an sich, ich immer an andere.
Es ist nicht schlimm, wenn dich jemand anscheinend nicht mehr liebt. Es ist grausam, dass du einem Menschen egal geworden bist. Naja, kommt immer auf den Menschen an.
Ich vergesse niemanden, nichts. Ich lüge nicht, wenn ich etwas verspreche. Während alle anderen mich und all die Erinnerungen in den nächsten Mülleimer werfen.
Ich bin nicht sicher, ob mich diese Eigenschaften irgendwann glücklich machen werden.
Denn im Moment machen sie mich verdammt unglücklich.
Ach, vielleicht ist das einfach mein Ding.
But that's nothing new. :)

Ich schätze ich habe das Prinzip von zwischenmenschlichen Beziehungen immernoch nicht verstanden. Aber das ist egal.
Mir ist echt alles egal.
Es ist mir so egal, dass es mich schon richtig frustriert. Gleichgültigkeit lähmt dich, du kannst nichts mehr machen, dich nicht bewegen.
Aber naja, egal.

Falls euch das jetzt depremiert, scheisst einfach drauf.



Schönen Start in die Woche, xoxo.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

message for you.

Selten für mich, aber ich lege meine Wäsche zusammen, statt sie wie immer vom Wäscheständer zu verbrauchen. Als ich eine Socke in die Hand nehme knistert es. Hä? Ist das ein Einkaufszettel und wie kommt der da rein? Als ich ihn auffalte und lese fange ich an zu lachen, ich lache einfach vor mich hin. Meine beste Freundin ist so süss manchmal, in den Momenten an denen man garnicht damit rechnet und ob sie anwesend ist oder nicht, bringt sie einen zum lachen. Ich klebe den Zettel sofort zu den anderen an die Wand, während ich immernoch lächeln muss.

...

Ich laufe ins Klassenzimmer mit einer Aufrichtigkeit, wie noch nie. Meine Kursleitung sitzt vor der Klasse am Tisch um Banalitäten zu besprechen, bevor die eigentliche Dozentin kommt. "Selina! Huch, die Hoar, wo sind die hin?!" Ich lache sie an, nein. Ich strahle quer durch den Raum, und sage ihr dass diese im Müll sind. Sie grinst mich an und sagt dass es mir gut stehen würde, worauf ich nur noch mehr strahle und ihr erkläre dass die Bahn einfach nicht kam. Mit einer gleichgültigen Geste widmet sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Klasse zu.
Ich setze mich neben meine beste Freundin, ziehe meine Jacke aus bevor ich meine Käsebretzel aufesse. Es ist mir egal, alles. Heute ist es mir egal. Ich strahle heute.

Ich war lange die, die lange rote Haare hatte. Ich war lange mit Jemandem zusammen, der nicht gut für mich war. Ich habe mich lange von meiner homophoben Familie dirigieren lassen.
Ich habe lange alles in mich hineingefressen, nur um nicht das Monster zu sein.
Habe zu oft die Klappe gehalten, um einen Streit zu vermeiden, obwohl das Verhalten der anderen Personen unmöglich war.
Tja, das ist jetzt im Müll.
Genau wie meine Haare.
Ich habe ein schönes Gesicht, wir dürfen das alle mal sehen hahaha. Jeder darf sich selbst lieben und so sein wie er das möchte. So aussehen wie er das möchte. Es wird immer Jemanden geben, der das schön findet. Ich wiederhole mich, wir sind nie allein.

Sei stark, für dich. Sei das, was du willst. Wir leben nur einmal. Das Leben ist zu kurz um sich das nehmen zu lassen, was einen wirklich gut fühlen lässt.

...

Als meine Friseurin den letzten Schnitt macht und mir durch die Haare fährt mache ich das erste mal richtig die Augen auf. Kopf hoch, Augen auf. Und ich sehe das erste mal mich selbst. Ich bin frei, sagt Michael Bauereiß.
Ja, ich bin frei. Und ich bekomme das Grinsen nicht aus dem Gesicht.
YES!



Feminismus.

Feminismus.
Wer sich mit der Materie nicht auskennt, sollte nichts dazu sagen. Feminismus betrifft weder ausschliesslich Frauen, noch heisst es, dass man Männer hasst.